9th BMW Foundation Global Table

Verantwortung, Vertrauen und Versöhnung in Post-Konflikt-Gesellschaften

 

04.-07.05.2017, Bogotá

Bürgerkriege zerrütten und zerstören das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und seine Institutionen, aber auch das Vertrauen zwischen den Menschen. Post-Konflikt-Gesellschaften sind fragmentiert, fragil und gewaltanfällig. Stabilisierung bedeutet für sie daher auch Konfliktprävention. Doch um den Frieden dauerhaft zu sichern und neue Konflikte zu verhindern, sind nicht nur die Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit im engeren Sinne (u.a. Gewaltenteilung, unabhängiges Gerichtssystem) und der Wiederaufbau des Landes vonnöten.

Die rein juristische Aufarbeitung eines Konflikts stößt schnell an Grenzen. Daher wird seit den 1990er Jahren das Konzept der „Transitional Justice“ verfolgt. Zentrales Anliegen ist es, einer gespaltenen Gesellschaft den Übergang zu Sicherheit und Frieden zu ermöglichen. Dazu gehören Elemente der Wahrheitsfindung, die Anerkennung und Ahndung von Unrecht sowie die Wiedergutmachung und Nichtwiederholung von Unrecht und Gewalt.

In Post-Konflikt-Gesellschaften wird dieser Ansatz jedoch kritisch gesehen. Es wird beklagt, dass die internationale Gemeinschaft häufig „One-size-fits-all“-Konzepte verfolgt, während die Situation vor Ort oft geprägt ist durch ein Spannungsverhältnis zwischen neu zu entwickelnder Stabilität und Vergangenheitsbewältigung.

Unsere Ziele

Beim 9th BMW Foundation Global Table, der in Partnerschaft mit dem Auschwitz Institute for Peace and Reconciliation in Bogotá, Kolumbien, veranstaltet wird, soll untersucht werden, welche Faktoren entscheidend sind, um Post-Konflikt-Gesellschaften in eine friedliche Zukunft zu führen. In einem offenen Dialog sollen Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Akteuren entwickelt werden. Darüber hinaus soll ausgelotet werden, wie es gelingen kann, dass sich ehemalige Konfliktparteien versöhnen und Verantwortung für die von ihnen begangenen Gräueltaten und Regierungsversäumnisse übernehmen und wie sowohl das Vertrauen der Menschen untereinander als auch in den Staat wiederhergestellt werden kann.

Drei Länderbeispiele dienen als Ausgangspunkt für die Diskussion: Kolumbien, wo soeben ein Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen abgeschlossen wurde; Guatemala, wo weder die UN-gestützten Friedensverhandlungen noch ein 20 Jahre altes Friedensabkommen bisher für Frieden sorgen konnten; und Ruanda, wo Rechtsstaatlichkeit, politische und gesellschaftliche Transformationen sowie Versöhnungsprojekte den Weg in eine friedliche Zukunft eröffnen sollten, wo aber der Völkermord an den Tutsi und Huti vor 20 Jahren unter den Teppich gekehrt wurde.

Über den BMW Foundation Global Table

Der BMW Foundation Global Table versammelt Entscheider aus Europa, den Vereinigten Staaten sowie Schwellen- und Transformationsländern zu einem sektoren- und generationsübergreifenden strategischen Dialog. Im Mittelpunkt des zweiten Zyklus des BMW Foundation Global Table stehen neue Mechanismen zur Implementierung effizienter Governance-Strukturen. Der Zyklus umfasst fünf Global Tables, die abwechselnd in Europa und Schwellen- bzw. Transformationsländern stattfinden, und schließt im November 2017 mit dem 2nd Berlin Global Forum.

Unser Partner für den 9th BMW Foundation Global Table in Bogotá ist das Auschwitz Institute for Peace and Reconciliation, das Staaten mit Bildungs- und Technologieangeboten dabei unterstützt, Mechanismen zur Verhinderung von Genoziden und anderen Massenverbrechen zu entwickeln bzw. zu stärken. Die von Experten im Bereich der Genozidprävention sorgfältig entwickelten Programme des Auschwitz Institute stellen politischen Entscheidungsträgern umfassende Bildungsangebote zur Verfügung und schaffen Kooperationsnetzwerke weltweit.