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2. Summit Lecture
23. Februar 2010, München
„Bewältigung von Finanzkrisen: Lehren aus Japans zwei verlorenen Jahrzehnten“
Kann man tatsächlich im Rückblick auf die 90er Jahre in Japan von einer „verlorenen Dekade" sprechen? Diese Sichtweise lehnte der Chefrepräsentant der Bank of Japan in Deutschland, Yuji Osawa, mit Verweis auf die in dieser Zeit im schlimmsten Falle „nur" -1, 5 % betragende Wachstumsrate und den ohnehin strukturell notwendigen Abbau von Überkapazitäten als „grob vereinfachend" ab. Ihm ging es vor allem darum, am Beispiel Japans zu zeigen, welch schwer zu behebende Folgen exzessive Schuldenlast, Überkapazitäten in der Produktion und auf dem Arbeitsmarkt für die Wirtschaft eines Landes zeitigen.
Für eine angemessenere Bewertung der Japankrise plädierte auch Osawas Korreferent, Franz Waldenberger, Professor für die Wirtschaft Japans an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dabei stellte er den flachen Verlauf der Wachstumskurve Japans in den Krisenjahren (zwischen minus und plus 1 % bis 1,5 %) den viel größeren Verwerfungen der heutigen Krise mit einem kurzen, steilen Anstieg und ebenso steilem Fall der Kurve mit bis zu 6% Minuswachstum gegenüber. Der wesentliche Unterschied zwischen der Krise Japans und der derzeitigen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sei - so Waldenberger - allerdings darin zu sehen, wie schnell die Politik reagiert habe. Die aktuelle Krise habe die Regierungen der meisten Industrieländer veranlasst, mit sofortigen fiskalischen Programmen von bis dato ungekanntem Ausmaß zu reagieren, um dadurch eine Kernschmelze des Systems zu verhindern. In Japan hingegen dauerte es allein sieben Jahre bis Transparenz geschaffen und tatsächlich offen über die Krise gesprochen wurde.
Die anschließende Diskussion konzentrierte sich auf die Lehren aus der japanischen Erfahrung: Dazu gehört die notwendige Verstaatlichung zumindest von Teilen des Bankensektors, die in Japan aufgrund der dortigen Instabilität fast vollständig durchgeführt wurde, ferner auch die Erkenntnis, dass die bei 1 % oder 2 % liegenden Eigenkapitalquoten der Banken zu niedrig sind und erhöht werden müssen.
Als wichtige und hilfreiche Erfahrung wurde die rasche Auflage von großen Finanzprogrammen aus Steuermitteln zur Stimulierung der Wirtschaft genannt. Das u.a. daraus resultierende hohe öffentliche Defizit Japans (rund 200% des BIP) wurde mit dem Griechenlands verglichen (rund 130 % des BIP) und dabei auf einen wichtigen, für Japan sprechenden Unterschied hingewiesen: Die griechischen Schulden sind generell Auslandsschulden, während Japans Defizit zu 95 % aus internen Quellen finanziert wird.
Dass Japan heute wieder auf Wachstumsraten von über 4 % aufbauen kann, liegt allerdings weniger an umfangreichen Konjunkturpaketen oder erfolgreicher Strukturanpassung: Seine Wirtschaft wächst vor allem deshalb, weil sich die Exporte nach China erholt haben - so die Meinung der Experten.
Redner
Yuji Osawa
Chefrepräsentant der Bank of Japan in Deutschland, Frankfurt
Franz Waldenberger
Inhaber der Professur für die Wirtschaft Japans an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Hans-Werner Sinn (Moderator)
Professor of Economics and Public Finance, University of Munich (LMU); President, ifo Institute for Economic Research
Jürgen Chrobog (Begrüßung)
Vorsitzender des Vorstands, BMW Stiftung Herbert Quandt, München und Berlin

