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X. Munich Economic Summit
19. - 20. Mai 2011, München
"Europa am Scheideweg: Die Rolle des Staates in einer globalisierten Welt"
Einen neuen Teilnehmer-Rekord mit über 200 Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft konnte der Münchner Wirtschaftsgipfel anlässlich seines 10jährigen Jubiläums verzeichnen. Ausschlaggegend dafür waren einerseits die erneut zugkräftigen Panel-Redner, wie Schwedens Finanzminister Anders Borg oder die deutsche Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen, andererseits die in Zeiten hoher Staatsverschuldung hoch aktuelle Fragestellung des Summit nach der Rolle des Staates in Gesellschaft und Wirtschaft.
Eingangs stellten die beiden Gastgeber, Professor Hans-Werner Sinn und Jürgen Chrobog, zwei Forderungen auf: Einerseits, marode Staatsfinanzen in Zeiten des wieder ansteigenden Wachstums zu sanieren (Sinn), andererseits, die Kernaufgabe des Staates, sozialstaatliche Leistungen zu garantieren, nicht zu vernachlässigen (Chrobog). Wie das richtige Maß zwischen staatlicher Enthaltsamkeit und Intervention aussehen kann, machte der schwedische Finanzminister Anders Borg anhand der Entwicklung seines Landes deutlich, das nach radikaler Reformkur als „nordisches Erfolgsmodell“ gelten kann. Mit einer drastisch gefallenen Staatsquote weist es ein höheres Wachstum, niedrigere Arbeitslosenraten und ein geringeres Haushaltsdefizit auf als der Durchschnitt der EU.
Zur Frage, wie die Leistungsfähigkeit des Sozialstaats unter den gewandelten demografischen Bedingungen zu erhalten sei, hob Bundesministerin Ursula von der Leyen die Notwendigkeit hervor, Frauen und ältere Menschen durch bessere Rahmenbedingungen für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Parallel dazu müssten aber auch die Bürger ihre Ansprüche an den Staat zurückführen und individuell mehr Verantwortung für ihre soziale Absicherung übernehmen, wie der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf anmerkte.
Mehr Markt, weniger Staat: Zu diesem in den Diskussionen vielfach vertretenen Credo trat insbesondere bei der Einschätzung der staatlichen Rolle in der Wirtschaft der Ausbau des Wettbewerbs – allerdings in ordnungsliberaler Sicht unter Einhaltung für alle gültiger und fester Spielregeln, so formuliert vom BMW-Vorstandsvorsitzenden Norbert Reithofer und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.
Mag Europa mit seiner sozialen Marktwirtschaft auch besser als andere aus der Krise herausgekommen sein – um global auch weiterhin eine Spitzenposition einzunehmen, muss es die große Aufgabe der inneren Reform seines bisher so erfolgreichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems rasch in Angriff nehmen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage vom Munich Economic Summit.
Dokumente
Redner
Hans-Werner Sinn
Professor, Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft, Ludwig-Maximilians Universität; Präsident, ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, München
Jürgen Chrobog
Staatssekretär a.D.; Vorsitzender des Vorstands, BMW Stiftung Herbert Quandt, München und Berlin
Dieter Reiter
Stadtrat, Leiter Referat für Arbeit und Wirtschaft, Landeshauptstadt München
Anatole Kaletsky
Bericherstatter und Chefkommentator Wirtschaft, The Times, London
Peter Birch Sørensen
Chefökonom, Dänische Zentralbank, Kopenhagen
Georg Fahrenschon
Staatsminister, Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, München
Martin Wolf
Mitherausgeber und Chefkommentator Wirtschaft, Financial Times, London
Neo Boon Siong
Professor für Strategie und ehemaliger Dekan, Nanyang Business School, Nanyang Technological University, Singapur
Stefan Quandt
Mitglied des Kuratoriums, BMW Stiftung Herbert Quandt, Berlin und München; Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, BMW AG, München
Martin Zeil
Staatsminister, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, München
Ursula von der Leyen
Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bundesrepublik Deutschland
Robert Thomson
Redaktionsleiter, The Wall Street Journal, Chefredakteur, Dow Jones & Co., New York
Giuseppe Bertola
Professor, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Università Degli Studi di Torino
Aigars Štokenbergs
Justizminister, ehemaliger Wirtschaftsminister, Republik Lettland
Kurt Biedenkopf
Ministerpräsident a. D.; Vorsitzender des Kuratoriums, Hertie School of Governance, Berlin
Rainer Brüderle
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Bundesrepublik Deutschland
Jeffrey D. Sachs
Direktor, The Earth Institute, Columbia Universität, New York
John Peet
Europa-Redakteur, The Economist, London
Dennis M. Nally
Vorsitzender, PricewaterhouseCoopers International Ltd., New York
Lord Oakeshott of Seagrove Bay
Mitglied des House of Lords (Liberal-Democrats), London
Rolf Alter
Direktor, Öffentliche Governance und Räumliche Entwicklung, OECD, Paris
Friedrich Merz
Vorsitzender, Atlantik Brücke, Berlin; Partner, Mayer Brown LLP, Berlin



