3rd BMW Foundation Global Table

Projektideen für Städte mit mehr Lebensqualität

 

07.04.2015 | BMW Stiftung | Ressourcen und Sicherheit 

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Urbanisierungsprozess bildeten den thematischen Schwerpunkt des Global Table in Brasilien. Zwei Aspekte wurden genauer beleuchtet: zum einen ging es um innovative Ideen für urbane Mobilität, zum anderen um nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen für Städte.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits heute in Städten; bis 2030 werden es 60 bis 70 Prozent sein. Städte sind die wirtschaftlichen Zentren der Welt und ihre Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit sind entscheidend für die globale Stabilität.

Nehmen Städte die weltweiten Herausforderungen wie Klimawandel und Ressourcenknappheit an? Welche Ansätze verfolgen Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft? Welche Chancen, welche Möglichkeiten bieten nachhaltige, zukunftsfähige Infrastrukturmaßnahmen?

Diese Fragen wurden während des 3rd BMW Foundation Global Table diskutiert. 25 Teilnehmer aus Europa und Indien, Lateinamerika, Afrika und China waren der Einladung der BMW Stiftung nach Santa Cruz Cabrália gefolgt und nutzten die einzigartige Atmosphäre von Campo Bahia für intensive Gespräche und den Entwurf von Lösungsansätzen.

Ein Mechanismus für nachhaltige Infrastrukturinvestitionen auf kommunaler Ebene

Mit am Global Table saß Peter Head, Gründer des Ecological Sequestration Trust in London. Auf der Basis des vom Trust entwickelten Open-Source-Modells „resilience.io“ wurde diskutiert, wie der Finanz- und Versicherungssektor an Bord geholt werden kann, um in städtischen Regionen widerstandsfähige Infrastrukturprojekte zu fördern. Die Plattform „resilience.io“ simuliert die dynamische Entwicklung einer Stadt auf der Basis umfassender Datenquellen und erfasst dabei sowohl gesellschaftliche als auch ökologische und ökonomische Dimensionen. Sie soll bis 2018 in Brasilien, China und Indien zum Einsatz kommen und die Transparenz, Qualität und Governance liefern, die es für die Bereitstellung einer resilienten Infrastruktur und der entsprechenden Stadtplanung braucht.

Die Teilnehmer nannten eine Reihe von Investitionskriterien (z.B. hoher Beteiligungsgrad der lokalen Gemeinden) und erklärten sich bereit, den Kontakt zu verschiedenen Finanzierungsinstituten herzustellen – dem Global Climate Fund auf globaler Ebene, Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit auf nationaler Ebene, aber auch zu lokalen Institutionen.

Dank des Global Table wurden konkrete Verbindungen zwischen Peter Heads Ecological Sequestration Trust und Thais Corral, Gründerin von Sinal do Vale, geknüpft. Die nachhaltige Gemeinde Sinal do Vale agiert als lokaler Vorreiter des globalen Green Belt Movement in einem Armenviertel außerhalb von Rio de Janeiro, das dringend Investitionen zur Verbesserung seiner Energie-, Kanalisations-, Abfallsbeseitigungs- und Verkehrsinfrastruktur benötigt. Der von 3 Millionen Menschen bevölkerten Region ist es bereits gelungen, Selbstverpflichtungen von einigen lokalen Umwelt- und Wiederaufforstungsprojekten und kommunalen Verwaltungen zu erhalten – und könnte damit als ideale Vorzeigeregion für die Umsetzung des Plattform-Modells in Brasilien dienen.

Die Teilnehmer nannten eine Reihe von Investitionskriterien (z.B. hoher Beteiligungsgrad der lokalen Gemeinden) und erklärten sich bereit, den Kontakt zu verschiedenen Finanzierungsinstituten herzustellen – dem Global Climate Fund auf globaler Ebene, Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit auf nationaler Ebene, aber auch zu lokalen Institutionen.

Dank des Global Table wurden konkrete Verbindungen zwischen Peter Heads Ecological Sequestration Trust und Thais Corral, Gründerin von Sinal do Vale, geknüpft. Die nachhaltige Gemeinde Sinal do Vale agiert als lokaler Vorreiter des globalen Green Belt Movement in einem Armenviertel außerhalb von Rio de Janeiro, das dringend Investitionen zur Verbesserung seiner Energie-, Kanalisations-, Abfallsbeseitigungs- und Verkehrsinfrastruktur benötigt. Der von 3 Millionen Menschen bevölkerten Region ist es bereits gelungen, Selbstverpflichtungen von einigen lokalen Umwelt- und Wiederaufforstungsprojekten und kommunalen Verwaltungen zu erhalten – und könnte damit als ideale Vorzeigeregion für die Umsetzung des Plattform-Modells in Brasilien dienen.

Der Global Table hat mir ein großes Geschenk gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, dass Brasilien der Welt beibringen kann, wie nachhaltiges Leben funktioniert, weil Brasilien versteht, wie Mensch und Natur zusammenwirken. Die Kooperation, die sich in den letzten zwei Tagen mit Thais' Sinal do Vale herausgebildet hat, kann genau so ein Vorzeigeprojekt sein.

Peter Head, Gründer und CEO, Ecological Sequestration Trust, London

Entwicklung umfassender Mobilitätslösungen

Verbringt ein Mensch im Schnitt vier Stunden am Tag im Verkehr, so hat das enorme Auswirkungen auf sein Familienleben, seine Zeit, Gesundheit, Sicherheit und sein allgemeines Wohlbefinden. Mobilität ist daher nicht nur ein infrastrukturelles Problem, es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Folglich gilt es einen Prozess anzustoßen, um alte Mobilitäts- und Stadtplanungsmuster zu überdenken.

Um eine umfassendere Konversation zu starten, wurden Ideen für eine Mobilitätsagenda gesammelt, welche Aspekte wie Gesundheit, Zeit, Energie, Sicherheit und CO2-Emissionen umfasst.

Die Agenda soll auf der Grundlage von Open-Source-Daten als Rahmen dienen, um verfügbare Daten zu interpretieren, bereits bestehende Lösungen und Best Practices zu erfassen und Indikatoren und Standards für wegweisende urbane Mobilitätslösungen zu definieren. Sie soll gemeinsam mit Vertretern der Zivilgesellschaft, der öffentlichen Stadtplanung, von Unternehmen und Kommunalverwaltungen entwickelt werden. Zwei in Rio de Janeiro ansässige Organisationen – Meu Rio und LARCI – erklärten sich bereit, die ersten Schritte in diesem Prozess in die Wege zu leiten. Im weiteren Verlauf des Jahres könnte eine Konferenz einen ersten Überblick darüber geben, wie man die Agenda weiter vorantreiben kann.

Sobald die Indikatoren und Standards definiert sind, sollte in einer mittelgroßen Stadt oder in einem mittelgroßen Stadtteil einer größeren Stadt eine moderierte lokale Partnerschaft als initiales Vorzeigeprojekt etabliert werden, um das verfügbare Wissen unter Einbeziehung aller relevanten Stakeholder an spezifische örtliche Gegebenheiten anzupassen. Das wird das Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein stärken, da, so Alessandra Orofino von Meu Rio, die „Menschen für Engagement zu begeistern sind, wenn sie auch wirklich am Entscheidungsprozess teilhaben können“.

Indem sie nachhaltige, konkrete Mobilitätslösungen entwickeln, könnten diese Partnerschaften auch dabei helfen, ein ökologisch-ökonomisches Umfeld zu schaffen, im Rahmen dessen unternehmerische Mobilitätslösungen entstehen könnten, wie zum Beispiel Apps zur effizienten Mobilitätsplanung, marktwirtschaftliche Car-Sharing-Modelle, handelbare Mobilitätszertifikate oder Mischfinanzierungen von Infrastrukturmaßnahmen.

In diesem Prozess sollten von Anfang an auch Firmen und Unternehmen einbezogen sein, da es dringend unternehmerischer Führungsqualitäten bedarf, damit der Prozess auf breiter Front erfolgreich sein kann. Unternehmen können Daten und Wissen bereitstellen und als technologische Schaltzentralen mit beträchtlicher Kommunikationsreichweite fungieren. Aber auch ihnen kommt dieser Prozess zugute: der proaktive Einsatz für verbesserte Mobilitätslösungen würde unmittelbare Auswirkungen für die Mitarbeiter haben und Produktivitätsgewinne schaffen. Wenn Unternehmen eine aktive Rolle übernehmen, würde das auch die öffentliche Wahrnehmung dahingehend verändern, dass die Wirtschaft nicht mehr als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung gesehen wird.

Die Teilnehmer des Global Table in Brasilien waren sich nach drei Tagen einig: dieser besondere Ort am Atlantischen Ozean hat dazu beigetragen, dass diese Konferenz eine folgenreiche ist. Die Ideen, die in Campo Bahia entwickelt wurden, sollen in konkreten Projekten umgesetzt werden. Erste Ergebnisse werden beim Berlin Global Forum, das Ende des Jahres den ersten, fünf Global Tables umfassenden Veranstaltungszyklus abschließen wird, vorgestellt.

Text: Ilsabe von Campenhausen und Sabine Porn