Accountability Lab

Ein Impact-Wochenende mit der BMW Stiftung

 

26.08.2016 | Narayan Adhikari | Social Entrepreneurship

Zum diesjährigen Impact Summer lud die BMW Stiftung das Accountability Lab, Gewinner des Responsible Leaders Award 2014, sowie Mitglieder des US Chapter des Responsible-Leaders-Netzwerks zu einem besonderen Impact Retreat ein. Narayan Adhikari, der für das Accountability Lab in Nepal arbeitet, fasst die wichtigsten Impulse des Workshops zusammen.

Vor kurzem veranstaltete die BMW Stiftung ein Impact-Wochenende auf Wasan Island, einer wunderschönen Insel in den Muskoka-Seen drei Stunden nördlich von Toronto. Der perfekte Ort, um sich aus dem Alltag auszuklinken und über das Accountability Lab zu diskutieren. Ich hatte die Ehre dazu eingeladen sein und machte mich von Nepal aus auf den Weg, in dem Wissen, dass die Reise mich nicht nur zum Nachdenken und Reflektieren, sondern mir auch neue Freunde bringen würde.

Über das Accountability Lab

Das Accountability Lab wirkt als Katalysator für eine neue Generation engagierter Bürger und Responsible Leaders weltweit. Es dient als Inkubator für kreative und innovative Ideen rund um die Themen Verantwortlichkeit, Transparenz und Integrität. Indem es Menschen ermöglicht, mithilfe von Informationen und Wissen die Verantwortlichen in ihrem Gemeinwesen zur Verantwortung zu ziehen, trägt es zu positivem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel bei.


Die Insel war noch schöner als ich sie mir vorgestellt hatte: eine Seenlandschaft so weit das Auge reicht; fantastisches Wetter, mit einer leichten Brise; und die Unterbringung erfolgt in traditionellen Bootshäusern. Wasan Island ist ein besonderer Ort, und dank der Synergien zwischen Natur, Freizeit und intellektueller Arbeit auch der perfekte Ort, um darüber nachzudenken, was möglich sein kann.

Mit den Teilnehmern – Sozialunternehmer, Aktivisten, Wissenschaftler, Praktiker und Diplomaten – gab es Sessions zu den wichtigsten Herausforderungen, mit denen das Lab konfrontiert ist: Wie sehen wir das jeweilige Umfeld, in dem wir tätig sind? Wie können wir skalieren? Wie unsere Wirkung besser messen? Wie effektiver lernen? Und welche Rolle können wir spielen, um unsere Anliegen in die Breite zu tragen?

Von den unglaublich intensiven und produktiven Diskussionen nahm ich wichtige Impulse für unsere Arbeit in Nepal sowie neue Ideen für die nächsten Schritte mit:

1. Um den sozialen Wandel voranzutreiben und die größtmögliche Wirkung zu erzielen, muss Lernen ein offener und kollektiver Prozess sein. Sobald echtes, adaptives Lernen in der Philosophie einer Organisation zentral verankert ist, lässt es sich mithilfe von Feedback einüben und verbessern und fördert dabei gleichzeitig eine Kultur der Offenheit. Mein Plan für Nepal ist, Lernen in alle unsere Aktivitäten zu integrieren; den Beginn macht Anfang September eine Veranstaltung mit dem Titel „Lernen über Lernen“.

2. Wir müssen Exzellenz erkennen und kommunizieren: Wir lernen aus Niederlagen und Rückschlägen, aber jede Organisation muss auch in der Lage sein, „Exzellenz“ zu definieren – die Punkte, wo sie den größten Beitrag leisten kann. Dann gilt es im Team herauszufinden, wie man diese Exzellenz unterschiedlichen Zielgruppen kommuniziert. Geldgeber sind tendenziell stärker an Zahlen interessiert; die Medien bevorzugen Stories; die Menschen wollen wissen, wie sich unsere Arbeit unmittelbar auf ihr Leben auswirkt. In Nepal arbeiten wir daran, mit den Menschen und Communities im Rahmen unserer Accountability-Arbeit nach dem Erdbeben zu kommunizieren. Sobald Stakeholder verstehen, welchen Nutzen man bringt, kommt eine positive Dynamik in Gang: man unterstützt sich gegenseitig und erzielt Fortschritte.

3. Skalieren heißt nicht unbedingt vergrößern – es kann auch heißen, den Fokus schärfer zu stellen, die Arbeit mit einer bestimmten Community oder in einem bestimmten Kontext zu vertiefen. In der Sozialunternehmer-Szene liegt die Betonung bei Skalierungen oft auf “mehr” – mehr Länder, mehr Menschen, mehr “Wirkung.” Im Falle Nepals wurde mir klar, dass wir stattdessen lieber tiefer reingehen müssen und wirklich verstehen müssen, was unsere Werte sind, bevor wir in neue Kontexte expandieren. An der Universität Stanford lernte ich von Professor Huggy Rao, dass es beim Skalieren nicht nur darum geht, den Fußabdruck der Organisation zu vergrößern, sondern das Denken von immer mehr Menschen zu verändern – und das wollen wir versuchen, indem wir unsere Accountability-Bewegung langsam aufbauen.

4. Für die Fehler bin ich selbst verantwortlich, für den Erfolg wir alle: Ein starkes Team aufzubauen ist wie eine Familie großzuziehen – dazu braucht es Hingabe und Vertrauen. Es bedarf auch Opfer und Anstrengungen, um sicherzustellen, dass alle Teammitglieder die Anerkennung, den Respekt und die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. In Nepal bauen wir ein Team auf, dass auf gegenseitiger Wertschätzung und Zusammenarbeit basiert. Auf Wasan Island wurde mir klar, dass diese Arbeit trotz aller Fortschritte nie ein Ende nimmt – und jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, arbeiten wir daran, neue Mitarbeiterevaluationen und Pläne für die Fort- und Ausbildung zu implementieren. Genau wie auf der Insel – das Essen auf Wasan Island war hervorragend! – nehmen wir auch in Nepal täglich gemeinsame Mahlzeiten ein; es gibt nichts Besseres, um dauerhafte Bindungen zu knüpfen, als Reis und Linsen!

5. Fang klein an, aber vor allem: fang an! Den perfekten Zeitpunkt, ein neues Programm auf die Beine zu stellen oder eine neue Initiative zu entwickeln, gibt es nicht, aber wir können nicht zulassen, dass “das Perfekte der Feind des Guten” ist. Accountability ist ein chaotischer politischer Prozess, und es ist schon ein Fortschritt, wenn man neue Ideen ausprobiert, neue Denkansätze findet und über Themen redet. Als wir zum Beispiel mit der TV-Sendung Integrity Idol anfingen, dachten wir, es wäre eine kleine, einmalige Sache. Viele sagten uns, wir würden keine ehrlichen Beamten oder Amtsträger finden. Mittlerweile hat sich die Bewegung über vier Länder verteilt und Millionen von Bürger engagieren sich für die Integrität ihrer Staatsdiener. Die Klausur auf Wasan Island erinnerte mich daran, einfach erst einmal anzufangen – man weiß nie, was dabei herauskommt.

Und nicht zuletzt war es unglaublich für mich, welch enorme Unterstützung, Goodwill und Energie die BMW Stiftung für das Accountability Lab mobilisieren konnte; in Nepal findet man diese Art selbstlose Unterstützung für eine gute Sache nicht oft. Außerdem können wir viel von den in Deutschland, USA und Kanada praktizierten Ansätzen in den Bereichen Peer Engagement und Feedback lernen. Nicht alle Teilnehmer des Treffens waren Accountability-Experten, aber sie alle brachten ihre unterschiedlichen und wertvollen Perspektiven ein, und ihre Unterstützung und ihr Rückhalt werden uns bei der weiteren Arbeit sehr bereichern.

Der Artikel erschien ursprünglich auf der Seite des Accountability Lab.