Transatlantic Core Group

Den Fokus auf innenpolitische Herausforderungen richten

 

19.08.2016 | Jennifer Jun | Europa und seine Nachbarn

Ein Jahr nach dem erfolgreichen Gründungstreffen der Transatlantic Core Group (TCG) traf sich die Gruppe vom 3. bis 7. August 2016 erneut auf Wasan Island, Ontario, um Bilanz darüber zu ziehen, was sie in der Zwischenzeit erreicht hat. Jennifer Jun vom Chicago Council beschreibt wie sich der Fokus der Diskussionen im Laufe des Jahres verschoben hat.

Über die Transatlantic Core Group

Die Transatlantic Core Group (TCG) startete im Juli 2015 als Partnerschaft zweier deutscher Stiftungen – der BMW Stiftung Herbert Quandt und der Robert Bosch Stiftung – und zweier amerikanischer Thinktanks – dem Atlantic Council und dem Chicago Council on Global Affairs. Das Ziel: ein handlungsorientiertes Netzwerk von jungen deutschen und amerikanischen Führungskräften aufzubauen, um die vor großen Herausforderungen stehende transatlantische Beziehung mit neuen Ideen und Perspektiven zu beleben.


Für die insgesamt sechzehn Teilnehmer aus den USA und Deutschland, egal ob alt oder neu, war die Rückkehr auf die beschauliche Insel eine Art Heimkehr. Während der Veranstaltungsort ein Gefühl der Vertrautheit vermittelte, wurde in den intensiven Gesprächen schnell deutlich, wie stark sich das transatlantische Umfeld im Laufe des letzten Jahres gewandelt hat. Genannt wurden der schnelle Zustrom von Flüchtlingen nach Europa, der Zerfall des europäischen Projekts am Beispiel des Brexit und der zunehmende Populismus als Symptom wachsender sozialer und ökonomischer Ungerechtigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks.

Gemeinsame innenpolitische Herausforderungen

Verglichen mit der Diskussion vor einem Jahr, die sich auf die Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung der beiden Länder und deren jeweiliges weltpolitisches (Führungs-)Engagement konzentrierte, drehten sich die Gespräche dieses Mal um die gemeinsamen innenpolitischen Herausforderungen. Es ging um die Wahrnehmung, dass sowohl Mittelschicht als auch Randgruppen immer weniger Chancen haben; der Vertrauensverlust in Institutionen; das Defizit an Führungsqualitäten; und das fehlende Interesse an bürgerschaftlicher und politischer Partizipation. Erstaunlich große Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern darüber, dass es beide Länder mit denselben Bedrohungen zu tun haben, nämlich Bedrohungen von innen.

Austausch über Entrepreneurship und Talentförderung

Anstatt diese Herausforderungen aber als Gefahr für die transatlantischen Beziehungen anzusehen, bieten sie nach Meinung der TCG-Mitglieder die Chance, die Beziehungen auf Augenhöhe neu zu gestalten und sie dadurch zu stärken. Eine vor allem aus Sozialunternehmern und Wirtschaftsmanagern bestehende Arbeitsgruppe namens „WIFI” (Wasan Island Future Initiative) arbeitete auf Wasan Island weiter an ihrer Vision eines deutsch-amerikanischen Dialogs zu den Themen Entrepreneurship, Bildung/Ausbildung und Talentförderung im 21. Jahrhundert. Der von den Mitgliedern der Gruppe konzipierte Plan, junge Stakeholder und Praktiker aus Deutschland und den USA für einen Austausch über Ideen und Best Practices zusammenzubringen, soll im November in einem Workshop in Charlotte, North Carolina, in die Tat umgesetzt werden. Charlotte ist mit fast 200 dort angesiedelten deutschen Firmen (wie z.B. Daimler Trucks und Siemens Energy) eines der wichtigsten Zentren der deutsch-amerikanischen Wirtschaftspartnerschaft in Nordamerika und daher der ideale Ort für einen praxisorientierten, anschaulichen Dialog.

Städte in Willkommensstädte verwandeln

Eine zweite Arbeitsgruppe, “Connected Cities”, referierte über den erfolgreichen Workshop zum Thema Einwanderer- und Flüchtlingsintegration, der im April 2016 im brandenburgischen Paretz stattfand. Das Treffen auf Wasan Island nutzte sie zu Überlegungen, wie die Gruppe weiter entwickeln kann. Angedacht ist, sich auf bestehende deutsch-amerikanische Städtepartnerschaften zu konzentrieren und die bereits bestehenden wirtschaftlichen und politischen Beziehungen um eine weitere Ebene zu ergänzen: die Integration von Neuankömmlingen.

Aus Sicht der “Connected Cities”-Mitglieder aus Chicago und Hamburg bilden ihre beruflichen Netzwerke dafür einen geeigneten Ansatzpunkt, und so entwarfen sie einen Plan für einen Austauschworkshop, von denen der erste im April 2017 in Hamburg und der zweite im Herbst 2017 in Chicago stattfinden soll. Die Workshops sollen Führungspersönlichkeiten aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und öffentlicher Sicherheit die Gelegenheit geben, sich über gemeinsame Herausforderungen und Lösungen auszutauschen, damit sich ihre Städte in Willkommensstädte verwandeln können.