Transatlantic Core Group

Was tun, um neues Vertrauen aufzubauen? 

 

26.08.2015 | BMW Stiftung | Transatlantische Beziehungen

Den transatlantischen Beziehungen stehen schwere Zeiten bevor. Diese Sorge verband die deutschen und amerikanischen Teilnehmer, die im vergangenen Monat zum Gründungstreffen der Transatlantic Core Group auf der Insel Wasan in Kanada zusammengekommen waren.

Bei genauerer Betrachtung der deutsch-amerikanischen Beziehung wird schnell klar, dass das politische Zerwürfnis über den Irakkrieg, Guantanamo, Abu Ghraib, die NSA-Affäre und TTIP selbst in der politischen Mitte Deutschlands dem Anti-Amerikanismus neues Leben eingehaucht hat. Gleichzeitig richtet die amerikanische Politik ihr Interesse stärker auf Asien und den Pazifik, wenn es um die globalen Herausforderungen geht. Deutschland und Europa stehen nicht länger im Fokus.

Das ist eine deutliche Abkehr von unserer gemeinsamen Geschichte und ihren Bildern – die Rolle der Vereinigten Staaten in Europa nach dem zweiten Weltkrieg, ihr Beitrag zum deutschen und europäischen Wohlstand, der Amerikanische Way of Life als Ideal junger Europäer – die einst die Grundpfeiler dieser wichtigen Partnerschaft bildeten.

Sowohl für Deutschland als auch für die Vereinigten Staaten sind die kulturellen und politischen Konsequenzen des geschwächten Vertrauens und Verständnisses immens. Gleiches gilt für die wirtschaftlichen und strategischen Folgen. Und dabei ringt die Welt mit neuen, dringenden Herausforderungen, die mehr denn je ein kooperativeres Handeln von Deutschland und den USA erfordern.

In diesem Sinne haben zwei deutsche und zwei amerikanische Organisationen – die BMW Stiftung Herbert Quandt, die Robert Bosch Stiftung, der Atlantic Council und der Chicago Council on Global Affairs – eine Partnerschaft initiiert, um unter zukünftigen Führungskräften, beginnend mit jenen aus Deutschland und den USA, für die transatlantische Partnerschaft zu werben. Die vier Partnerorganisationen haben deshalb im Juli 2015 eine kleine Gruppe amerikanischer und deutscher Nachwuchsführungskräfte aus allen Bereichen der Gesellschaft eingeladen und gemeinsam mit ihnen die Transatlantic Core Group gegründet.

Die Transatlantic Core Group traf sich auf der naturbelassenen und abgeschiedenen Wasan-Insel in Ontario, Kanada. Die Insel gehört der Breuninger Stiftung, mit der die Partner die Idee der Philantrophy of Places teilen. Vier Tage lang nutzten die Teilnehmer den außergewöhnlichen Ort, um offen über die transatlantischen Beziehungen zu diskutieren und zu überlegen, wie diese wiederbelebt werden können.

Das Gründungstreffen beinhaltete sowohl Plenumssitzungen als auch  Arbeitsgruppen zu unterschiedlichsten Themen wie transatlantische Grundwerte, multilaterale Governancestrukturen und internationale Kooperationen. Andere Themen waren der Vertrauensverlust in Institutionen, Bildung, soziale Ungerechtigkeit, kultureller und demographischer Wandel, technologische Innovationen und Privatsphäre sowie urbaner Wandel. Im Laufe der Auseinandersetzung mit diesen Themen kamen die Teilnehmer zu dem Schluss, dass es nicht notwendig – und schon gar nicht möglich – sei, gewisse kulturelle Unterschiede zu überwinden, welche die gegenseitige Wahrnehmung verzerren. Dennoch waren sie sich darüber einig, dass es auch gelte, eben diese Unterschiede zu diskutieren und zu verstehen.

Nächster Schritt

Das wichtigste Ergebnis des Gründungstreffens der Transatlantic Core Group ist die Entscheidung der Teilnehmer, die Verantwortung für die Gruppe und den zukünftigen Prozess zu übernehmen. Dazu gehört, die zukünftigen Themen auszuwählen und das Programm der nächsten Treffen festzulegen. Mit Unterstützung der vier Partnerorganisationen soll es zukünftig zwei Treffen pro Jahr geben, eins in Deutschland, eins in den USA.

Über die Transatlantic Core Group

Unter dem Motto „Rebuilding Transatlantic Trust“ hat die BMW Stiftung gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung, dem Atlantic Council mit Sitz in Washington D.C und dem Chicago Council on Global Affairs einen innovativen und ergebnisoffenen Dialog zur Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen angestoßen. Treibende Kraft ist dabei die Transatlantic Core Group: Junge Führungskräfte aus allen Sektoren und Regionen in Deutschland und den USA, die eigenverantwortlich diesen Prozess gestalten und sich ohne ideologische Scheuklappen für die transatlantische Partnerschaft einsetzen.