Young Leaders Forum in Brasilien

Zeit für neue Wirtschaftsmodelle

 

25.03.2015 | BMW Stiftung | Responsible Leadership

Das 2nd Latin American Young Leaders Forum wollte zeigen, welche Unternehmens- und Wirtschaftsmodelle existieren, die nicht nur wirtschaftlich profitabel sind, sondern auch eine positive soziale und ökologische Wirkung entfalten – und vielleicht gerade deshalb auch erfolgreich sind.

In den Überlegungen der rund 40 Referenten und Teilnehmer des Forums in Rio de Janeiro stand die Definition von Erfolg im Vordergrund: Nimmt man alle langfristigen Interessen eines Unternehmens in den Blick, wird schnell klar, dass der Unternehmensprofit nur eine Dimension des unternehmerischen Erfolgs abbildet – und eben vor allem die Messlatte für Investoren ist. Es gilt aber auch, die Mitarbeiterbindung, die Innovationsfähigkeit oder die langfristige Sicherung des Geschäftsmodells zu berücksichtigen. Und dafür ist es wichtig, dass Unternehmen sich die Frage nach dem Sinn, dem eigentlichen Ziel ihres Handelns stellen. 

 

 

Über das Latin American Young Leaders Forum

Das Latin American Young Leaders Forum hat zum ersten Mal 2011 etwa 40 jüngere lateinamerikanische und europäische Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien sowie dem dritten Sektor zusammengebracht. Ziel des Forums ist es, das interkulturelle Verständnis und die Suche nach zukunftsfähigen Lösungen zu fördern und das Verantwortungsbewusstsein von Führungskräften in einer globalisierten Welt zu stärken.

Das machte Gonzalo Muñoz am Beispiel des von ihm gegründeten chilenischen Müllentsorgers TriCiclos deutlich. Um die Müllentsorgung in Chile nach hohen sozialen und ökologischen Standards auszurichten, ist der Profit die Voraussetzung, um am Markt zu überleben, erfolgsentscheidend ist jedoch die Leistung und hohe Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Und die seien deshalb besonders motiviert und innovativ, weil alles im Unternehmen auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet sei. Solche „weicheren“ Faktoren sind allerdings oft nicht ganz einfach zu beziffern. Studien zeigen aber inzwischen, dass Unternehmen, die Erfolg breiter definieren und am eigentlichen Sinn des Unternehmens ausrichten, langfristig auch an der Börse sehr viel erfolgreicher sind.

Es geht nicht um Gewinn – der ist eigentlich nur für die Investoren relevant. Es geht darum, im Interesse der Kunden, der Arbeitnehmer und der Umwelt gleichermaßen zu handeln. Vermögenswerte, Profite und Produkte sollen nicht maximiert, sondern optimiert werden.

Thomas Eckschmidt, Generaldirektor, Instituto do Capitalismo Consciente Brasil, São Paulo

Welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen, um ihre umfassenderen Geschäftsmodelle umzusetzen? Wie können Regierungen Standards setzen und ein Umfeld schaffen, das nachhaltigen Ideen zu Erfolg und Breitenwirkung verhilft?

Rückblick auf Storify

Beim Forum wurden viele praktische Erfahrungen ausgetauscht, wie Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor gelingen kann, etwa wie in dem bereits zitierten Beispiel TriCiclos von der Müllentsorgung in Chile. In anderen Fällen ging es um die Einhaltung von Umweltstandards im Amazonasgebiet oder um Aktionen gegen Polizeigewalt in den Favelas von Rio. 

Besonders auffällig: Der Wille von erfolgreichen Innovationen anderswo zu lernen erstreckt sich auf alle Himmelsrichtungen. Zunehmend greifen Organisationen aus den USA und aus Europa auch Modelle aus Lateinamerika auf. Zum Beispiel von der Non-Profit-Organisation Center for Digital Inclusion (CDI), die mit neuen Technologien Armut bekämpft und unternehmerisches Denken fördert, oder von dem ebenfalls brasilianischen Instituto Igarapé. Der Thinktank fördert bürgerschaftliches Engagement zu drängenden Sicherheits- und Entwicklungsfragen. Zudem entwickelt sich ein enger Süd-Süd-Austausch zwischen Lateinamerika, Afrika und Asien.

Das Young Leaders Forum in Brasilien auf Flickr

Um dauerhaft gute Rahmenbedingungen zu stärken, damit nachhaltige Lösungen und Geschäftsmodelle verbreitet werden können, braucht es mutige und visionäre Führungskräfte aus dem öffentlichen Sektor. Diese zu identifizieren, zu vernetzen und zu stärken, kann ein Ansatz sein, mit dem die BMW Stiftung in Lateinamerika auch längerfristig wirksam Akzente setzen kann.

Text: Ilsabe von Campenhausen