Ein Interview mit Nadine Wachter und Philipp von der Wippel

„Ein riesiges Geschenk“

 

21.10.2016 | BMW Stiftung | Responsible Leadership

Seit er 2014 Project Together gründete, hat Philipp von der Wippel viel Unterstützung aus dem Responsible-Leaders-Netzwerk der BMW Stiftung erhalten. Als wichtigste Mentorin begleitet Nadine Wachter das Sozialunternehmen. Am Rande des Impact Accelerator Day berichten die beiden über ihre Zusammenarbeit.

Nadine, was hat dich daran gereizt, Project Together so intensiv zu unterstützen?

Nadine: Als ich Philipp 2015 kennenlernte, war ich sofort begeistert von Project Together. Philipp und seine Kollegen haben nicht nur einen einzigartigen Zugang zu Jugendlichen entwickelt, sondern auch eine Methode, ihnen Zuversicht in ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten zu geben.

Inwiefern?

Nadine: Für mich ist es zentral, klassisches Unternehmertum und Sozialunternehmertum nicht zu trennen. Jungunternehmen wie Project Together können junge Menschen zum unternehmerischen Denken befähigen. Gleichzeitig zeigen sie ihnen, wie sie dieses auch nachhaltig gestalten können – ob sozial, ökologisch oder ökonomisch. Herausforderungen mittels nachhaltiger Geschäftsmodelle unternehmerisch umzusetzen und in Gesellschaft und Politik länderübergreifend zu verankern, ist die Zukunft.

Project Together

Bereits als Schüler gründete Philipp von der Wippel 2014 Project Together. Das Sozialunternehmen unterstützt junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, ihre Ideen in Bereichen wie Gesellschaft oder Politik umzusetzen und begleitet sie dafür mittels Telefon-Coaching. Aus 16 Initiativen sind bisher Vereine, NGOs und Sozialunternehmen entstanden.

Philipp, was ist für dich besonders wertvoll an der Arbeit mit Nadine?

Philipp: Nadine hat unheimlich viel Zeit und Leidenschaft investiert. Und sie hat uns ernst genommen, obwohl wir ein so junges Team aus gerade einmal 19-20jährigen sind. Sie hat uns wirklich gefordert und uns damit geholfen, auf ein ganz anderes Level zu kommen.

Gab es denn Punkte, an denen eure Vorstellungen auseinander gingen?

Philipp: Absolut. Besonders wenn man anfängt, tief in das Geschäftsmodell einzutauchen. Das war für uns etwas komplett Neues. Es entsteht selbstverständlich Reibung, weil man mit unterschiedlichen Perspektiven herangeht. Aber nur auf die Weise lernen wir.

Nadine, was hast du aus der Zusammenarbeit mit Project Together gelernt?

Nadine: 16 Jahre Berufstätigkeit lassen einen gewisse Dinge als normal betrachten. Hier hat mich Project Together im wahrsten Sinne des Wortes aus meiner Box gelockt, die ich davor für mich so gar nicht wahrgenommen hatte. 

Nadine hat uns ernst genommen, obwohl wir ein so junges Team aus gerade einmal 19-20jährigen sind.

Philipp von der Wippel

Hattest du jemals Sorge, die Richtung für Project Together zu sehr zu bestimmen?

Nadine: So ein intensives Mentoring ist auch eine enorme Verantwortung. Einerseits möchte ich ja dieses Kreative und Offene für sie erhalten und ihnen nichts vorgeben. Und auf der anderen Seite brauchen sie unternehmerisches Handwerkszeug als Fundament. Einen Ausgleich zu finden zwischen ihren Ideen und meinem Input, war eine Herausforderung.

Kann eine Zusammenarbeit wie eure für andere Tandems aus dem Netzwerk ähnlich funktionieren?

Philipp: Für jedes Sozialunternehmen ist so ein Mentoring durch einen Responsible Leader ein riesiges Geschenk. Das Wichtigste ist das Matchmaking von Mentor (Responsible Leader) und Unternehmer. Und hier spielt neben der persönlichen Ebene auch die Expertise und das Zeitbudget der Responsible Leaders eine sehr große Rolle.

Nadine: In diesem riesigen Pool an Responsible Leaders steckt ein unglaubliches Potential an Leidenschaft, Expertise und Kreativität. Beim Zusammenbringen von Responsible Leader und Sozialunternehmen ist eine realistische Einschätzung des Reifegrads und des Potenzials der Unternehmung absolut essentiell. Es ist den Mitarbeitern der BMW Stiftung zu verdanken, dass man uns fast als “match made in heaven” bezeichnen könnte.

So ein intensives Mentoring ist auch eine enorme Verantwortung.

Nadine Wachter

Project Together ist in den letzten zwei Jahren enorm gewachsen und ihr habt bereits über 200 Projekte begleitet. Was sind eure Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Philipp: Wir wollen zuallererst der stark angestiegenen Nachfrage der Jugendlichen u.a. auch im europäischen Ausland nachkommen. Dabei ist es uns sehr wichtig, fortlaufend die Qualität unseres Coachings zu optimieren. Wir möchten in fünf Jahren 100 Lokalgruppen in Europa haben und damit mehr als 1000 Projekten parallel begleiten können. Finanziell möchten wir selbsttragend sein. Damit das Coaching für die Jugendlichen dabei weiterhin kostenlos bleiben kann, müssen wir überlegen, wer bereit sein könnte, dafür zu bezahlen.

Wer könnten dann potentielle Kunden sein?

Philipp: Das sind zum Beispiel Unternehmen, Verbände und auch politische Organisationen die durch die Zusammenarbeit mit Project Together einen Zugang zu meiner Generation der Millennials finden möchten. Es geht ihnen darum, die Entscheider von morgen besser zu verstehen, sie frühzeitig einzubinden oder ihnen eine Plattform zur Mitgestaltung zu geben.

Momentan studierst du noch nebenbei in Oxford. Soll die Arbeit für Project Together für dich in Zukunft ein Vollzeitjob werden?

Philipp: Für mich liegt da ganz klar der Schwerpunkt. Engagement, Partizipation – das ist ein Riesenthema und Project Together für mich auch ein Ausgangspunkt für weitere Initiativen und Projekte.

Interview: Nora Scholz