Im Interview: Osama Abdelmoghni

Respekt für die Kultur des anderen

 

06.11.2015 | BMW Stiftung | Responsible Leadership

Osama Abdelmoghni ist neuer Chapter Head für Frankreich und die Benelux-Staaten. Für den Responsible Leader mit multikulturellen Background besteht die größte Herausforderung darin, die Mitglieder dazu zu bewegen, kulturelle Differenzen zu überwinden.


Wie Osama Abdelmoghni zum Responsible Leader wurde

Osama hat bisher an drei Veranstaltungen der BMW Stiftung teilgenommen: dem 2nd Arab European Young Leaders Forum in Tunis, dem 17th Transatlantic Forum in San Francisco und dem 4th World Responsible Leaders Forum in Beijing. Er hat mehrere Sozialunternehmen gegründet und Betriebswirtschaftslehre studiert. Osama brennt für Themen wie soziales Unternehmertum, Innovation, Daten-Analyse und Sprachen. Diese Begeisterung treibt ihn dabei an, seine beruflichen Fahigkeiten zu nutzen, um kulturelle Brücken zu überwinden.

Dein Background ist sehr international: Du hast einen ägyptischen Vater und eine irakische Mutter, bist in Libyen aufgewachsen und dort in eine amerikanische Schule gegangen, dann hast du in Kairo gelebt und momentan wohnst du in Paris. Wie beeinflusst das deine Rolle als Chapter Head?

Ich habe dadurch ein großes Privileg gewonnen. Wenn ich Menschen aus anderen Kulturkreisen treffe, komme ich sofort mit ihnen zurecht. Man kann Fremdsprachen lernen, aber das heißt nicht, dass man sich dadurch automatisch für andere Kulturen öffnet. Obwohl ich jetzt auf Englisch mit dir spreche, habe ich doch im Hinterkopf, dass ich Ägypter bin und du Deutsche. Wenn wir beide uns dessen bewusst sind, dann erwächst daraus gegenseitiger Respekt für die Kultur des jeweils anderen, und das erleichtert wiederum die Kommunikation. Sobald die Vorurteile aus dem Weg geräumt sind, lässt sich leichter Vertrauen herstellen.

Welche Bedeutung hat dein unternehmerischer Hintergrund?

In den zehn Jahren, in denen ich in Kairo lebte, bin ich wegen des kaputten Bildungssystems dort nicht auf die Uni gegangen. Ich schrieb mich für ein Fernstudium an der Open University of London ein und begann sofort zu arbeiten. Als 18jähriger hat man es natürlich schwer, gleich in eine große Firma reinzukommen. Also habe ich erst einmal für kleine Betriebe gearbeitet. Damals kam die Technologie- und Computerbranche in Kairo gerade erst so richtig ins Rollen, und so begann meine unternehmerische Karriere. Ich könnte sagen, dass es vielleicht Zufall war, aber sobald ich meine eigene Software herstellte, merkte ich, dass es genau das war, was ich machen wollte. Nach und nach gründete ich dann eine Reihe kleiner Startups und schließlich ein sehr großes Startup, das wir an Motorola verkauften. Dieses Sozialunternehmen, das ich vor sieben Jahre gegründet habe, gibt es immer noch.

Wie groß ist das French/Benelux Chapter? Aus welchen Branchen und Orten kommen die Responsible Leaders?

Das Chapter umfasst momentan ca. 70 Responsible Leaders. Auch wenn es im Vergleich zu anderen Chapters relativ klein ist, so ist es doch sehr vielfältig. Wir haben Mitglieder aus Holland und Luxemburg, und ich bin sogar von einer Französin kontaktiert worden, die momentan in Thailand ist und sich nach ihrer Rückkehr bei uns melden will. Wir haben viele französische Mitglieder, die in ganz Frankreich verstreut sind. Noch vielfältiger ist ihr beruflicher Hintergrund: sie kommen aus allen möglichen Bereichen und Sektoren.

Was sind die größten Herausforderungen?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Kommunikation noch eine Herausforderung. Da wir geografisch so nah beisammen sind, erweckt Europa den Anschein eine Region zu sein. Aber das täuscht. Obwohl die Städte nicht weit auseinander liegen, ist es tatsächlich schwierig, von Paris nach Brüssel zu reisen, da du dich in ein anderes Umfeld begibst. Ich versuche den Mitgliedern klarzumachen, dass wir uns unsere geografische Nähe zunutze machen und keine Angst vor interkultureller Kommunikation haben sollten.

Wodurch zeichnet sich das Netzwerk aus?

Durch seine Mitglieder! Deshalb finde ich es ja auch so toll, Chapter Head zu sein. Das Netzwerk ist so reich, nicht nur an Verstand, sondern auch an Herz. Bei allen  Veranstaltungen der BMW Stiftung habe ich Leute getroffen, die ich aus früheren Treffen kannte, und neue Leute kennengelernt. Mich beeindruckt, wie authentisch diese Leute sind. Egal wie viel sie zu tun haben oder wie wichtig ihr Job ist, jeder gibt sich wirklich Mühe, in seinem Umfeld kleine Veränderungen zu bewirken. Und um diese kleinen Veränderungen geht es mir, denn sie sind es, die letztendlich zu einem größeren Wandel führen.

Was gefällt dir besonders an deiner Rolle als Chapter Head?

Falls es mir gelingt, nacheinander das Vertrauen der Mitglieder zu gewinnen, dann kann ich dieses Vertrauen weitergeben, damit es auch die Mitglieder füreinander empfinden. Das finde ich toll. Auf diese Weise können sich zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie gefunden hätten, berufliche Chancen auftun oder Initiativen entstehen. Ich möchte diese Gelegenheiten herbeiführen.

Welches Feedback bekommst du aus dem Netzwerk?

Ich habe bereits Feedback von einigen Mitgliedern bekommen, die hier in Paris für eine Pro-bono-Organisation arbeiten, und sie haben sich sehr gefreut, dass ich Chapter Head bin. Sie freuen sich darauf, die anderen Mitglieder kennen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich bin auch von Mitgliedern der LinkedIn-Gruppe, die nicht unbedingt Mitglieder meines Chapter sind, herzlich willkommen geheißen worden. Es macht mich stolz, dass sie sich mich in dieser Rolle vorstellen können. Niemand hat Zweifel geäußert.

Welche Veranstaltungen und Meilensteine stehen als Nächstes an?

Ich bin gerade dabei, unser erstes Treffen zu organisieren. Da jetzt alle aus dem Urlaub und den Ferien zurück sind, werde ich die Chapter-Mitglieder bald zum Essen einladen. Das kann letztendlich niemand ausschlagen. Die Idee dahinter ist ganz einfach die: Wenn uns so etwas Einfaches und Grundlegendes wie Essen um einen Tisch herum vereint, dann können wir uns auch vernünftig und klug über alles unterhalten, worüber wir reden möchten. Darüber hinaus können wir über Initiativen nachdenken, die nicht nur uns helfen, sondern auch die Welt um uns herum ein kleines Stückchen besser machen.

Inwiefern profitierst du persönlich vom Responsible-Leaders-Netzwerk?

Ich profitiere in so vielerlei Hinsicht! Ich treffe mit mit Leuten und bleibe mit ihnen in Kontakt. Das ist mir sehr wichtig. Dazu kommt der psychologische Aspekt, dass ich mich, egal, wo ich hinkomme, zu Hause fühle, da ich fast in jeder Stadt einen Responsible Leader kenne. Außerdem gibt es immer etwas zu tun. Wenn ich irgendwo helfen will oder mich als Teil von etwas Größerem fühlen will, und wenn auch nur als kleiner Teil, dann kann ich das tun, weil die Responsible Leaders immer etwas auf die Beine stellen. Immer.

Kannst du das Responsible-Leaders-Netzwerk in drei Worten beschreiben?

Offen, multikulturell, bunt.

Interview: Lena Stork