Im Interview: Rajah Lehal

„Die schiere Größe von Kanada stellt uns vor eine große Herausforderung.“

 

24.02.2015 | BMW Stiftung | Responsible Leadership

Nicht nur die Kluft zwischen den Sektoren, sondern auch zwischen der kanadischen Ost- und Westküste zu überbrücken gehört zu den Herausforderungen, mit denen Rajah Lehal als Canadian Chapter Head des Responsible-Leaders-Netzwerks der BMW Stiftung konfrontiert ist.

Wie groß ist das Canadian Chapter und aus welchen Branchen und Orten kommen die Responsible Leaders?

Das Canadian Chapter umfasst ungefähr 30 Personen, mit steigender Tendenz. Die meisten unserer Mitglieder leben in Toronto, Montreal und Vancouver sowie an der Ostküste. Darunter sind politische und soziale Unternehmer, Vertreter gemeinnütziger Organisationen und Stiftungen sowie des Bildungs- und Wirtschaftssektor. Was das Alter, die Interessengebiete und die Standorte angeht, sind wir eine ungeheuer bunte Gruppe. Ich hatte noch keine Gelegenheit, die Mitglieder an der Ost- und Westküste zu besuchen, aber ich freue mich schon darauf.

Was sind die größten Herausforderungen?

Die schiere Größe eines so riesigen Landes wie Kanada stellt uns vor eine große Herausforderung. Es ist schwierig, Leute aus Vancouver und Montreal für ein informelles Treffen zusammenzubringen. Wir geben uns Mühe, diese Kluft zu überwinden, indem wir uns elektronischer Hilfsmittel wie Skype oder Telekonferenzen bedienen. Es wäre schön, eine geschlossene Landesgruppe zu haben, die sich regelmäßig trifft und zusammenarbeitet. Stattdessen haben wir viele einzelne Untergruppen. Aber wir stellen uns dieser Herausforderung, indem wir reisen, Telekonferenzen durchführen und die Zusammenarbeit mit den landesweit aktiven Mitgliedern suchen, um unseren Mitgliedern ein Gefühl der Gemeinsamkeit und Geschlossenheit zu vermitteln.

Wie Rajah Lehal zum Responsible Leader wurde

Rajah Lehal ist seit dem 2nd Global Pro Bono Summit 2013 Teil des Responsible-Leaders-Netzwerk der BMW Stiftung und leitet seit 2014 von Toronto aus das Canadian Chapter des Netzwerks. Er beschreibt sich selbst als Technologieanwalt „legal technologist“. Rajah ist Anwalt und Geschäftsführer bei Cobalt, einer Technologieanwaltskanzlei in Toronto, Mitbegründer von Multiplicity, einer gemeinnützigen Bildungsinitiative für Startup-Unternehmer, und Investor in ClauseHound, einer cloudbasierten Wissenssoftware für Anwälte. Er hat einen MBA und einen JD (Juris Doctor)-Abschluss. 

Welche Erfahrungen aus Deinem Berufsleben sind bei der Aufgabe als Chapter Head besonders hilfreich?

Am wichtigsten sind wohl Planungs- und Organisationsgeschick. Ich leite momentan eine Gruppe namens Multiplicity, die Startups in Toronto ausbildet. Wir haben über 1.500 Mitglieder und in den letzten vier Jahren über 100 Veranstaltungen organisiert. Ich weiß also, wie man Veranstaltungen ausrichtet und Leute zum gegenseitigen Austausch zusammenbringt.

Dein beruflicher Werdegang ist recht bunt: Anwalt, Technologieunternehmer, Startup-Coach, eine Tätigkeit im IT-Bereich. Wie fließen all diese verschiedenen Erfahrungen in deine jetzige Aufgabe ein?

Bei all meinen Tätigkeiten war die Neugier das verbindende Element, das mich dazu gebracht hat, neue Herausforderungen zu suchen, etwa in der schnelllebigen IT-Branche, als Investor und Coach von Technologie-Startups und als Berater und Anwalt für kleine und mittelständische Unternehmen. Wenn man neugierig ist, stellt man Fragen, und manchmal gewinnt man dadurch nützliche Erkenntnisse, die ich hoffentlich auch in meine neue Aufgabe bei der BMW Stiftung einbringen kann.

Was gefällt Dir besonders an der Rolle als Chapter Head?

Die Arbeit mit Multiplicity ist mein erstes Nonproft-Engagement, aber die Welt der Stiftungen ist noch relatives Neuland für mich. Ich bin in erster Linie daran interessiert, den vielfältigen Projekten unserer Mitglieder im Inland, aber auch international zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Letztendlich ist mein Ziel, eine beträchtliche Menge an Zeit einer einzigen sozialunternehmerischen Initiative zu widmen, und die Rolle als Chapter Head hilft mir dabei, dieses Projekt zu finden. Darüber hinaus kann ich in dieser Tätigkeit meinen Horizont erweitern und mehr über den Sektor in Erfahrung bringen.

Wie ist das Feedback aus dem Netzwerk?

Das Interesse zur Zusammenarbeit ist groß. Man will auf nationaler und internationaler Ebene Aufmerksamkeit für lokale Projekte erzeugen und Kooperationspartner finden. Bei unserem ersten Treffen nannten die Mitglieder unter anderem die Unterstützung von Jane’s Walk, Leistungen für Sozialunternehmer (Krankenversicherung, Reisekosten usw.) sowie ein Projekt zur Förderung der Bürgerrechte als persönliche Projekte, für die sie gerne Partner und Mitstreiter gewinnen würden, um diese Projekte gemeinsam voranzutreiben.

Was sind die Meilensteine in den kommenden Monaten?

Mir wäre am wichtigsten, dass sich mehr Mitglieder am jährlich stattfindenden Responsible-Leaders-Awards-Wettbewerb der BMW Stiftung beteiligen. Ich wünsche mir auch mehr Zusammenarbeit zur Förderung einzelner Projekte und dass die sozialen und politischen Initiativen, die hier in Kanada sehr gut funktionieren, global sichtbar und bekannt werden.

Inwiefern profitierst Du persönlich vom Responsible-Leaders-Netzwerk?

Ich bin als Anwalt in einer Kanzlei tätig, die sich stark im Pro-bono-Bereich engagiert. Das Responsible-Leaders-Netzwerk gibt mir die Chance, neue Pro-bono-Chancen zu entdecken, sodass sich das Pro-bono-Engagement unserer Firma im letzten Jahr vervierfacht hat. Das Interesse für pro bono und soziale Innovation ist so groß, dass man meines Erachtens einfach nur viele gleichgesinnte Menschen in einen Raum stecken muss, und schon entstehen neue Ideen für gesellschaftliche Innovationen.

Kannst Du das Responsible-Leaders-Netzwerk in drei Worten beschreiben?

Globale soziale Innovation.

 

Interview: Maja Heinrich