Von Aachen nach Beijing und zurück

Responsible Leader Horst Krumbach bringt die Generationsbrücke nach China

 

09.12.2014 | BMW Stiftung | Social Entrepreneurship

Für seine Generationsbrücke Deutschland wurde Horst Krumbach gerade mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet. Für den Responsible Leader kein Grund, sich auszuruhen: Mit Hilfe des Netzwerks der BMW Stiftung bringt er seine Initiative jetzt nach China.

„Ich mag unkonventionelle Wege“, sagt Horst Krumbach, der aktuell eine besonders eigenwillige Route eingeschlagen hat: Der Sozialunternehmer will seine Idee einer generationsübergreifenden, verbindlichen Patenschaft zwischen Kindern und Senioren nach China bringen. Dabei dürfte nicht nur Krumbachs Sinn fürs Außergewöhnliche hilfreich sein, sondern auch der frisch verliehene Deutsche Engagementpreis – eine der höchsten Ehrungen im sozialen Bereich. Und ein großer Ansporn für Horst Krumbach, weiterhin seine Visionen in sozialunternehmerische Taten umzusetzen. Bald auch in China, wo eine rasant alternde Bevölkerung das Land vor große Herausforderungen stellt – und gleichzeitig den Raum für neue Ideen und Lösungen öffnet. „Nach Jahren des Technologietransfers von Deutschland nach China geht es nun um den Transfer von sozialen Innovationen“, sagt Krumbach.

 

Nach Jahren des Technologietransfers von Deutschland nach China geht es nun um den Transfer von sozialen Innovationen.

Horst Krumbach, Generationsbrücke Deutschland

Die Idee für sein Engagement entwickelte sich während des World Young Leaders Forum der BMW Stiftung in Beijing 2012. „Wir waren in einem sehr guten Hotel untergebracht, doch nur einen Kilometer entfernt sah die Welt ganz anders aus“, erinnert sich Krumbach an einen Spaziergang durch ärmliche Viertel mitten in der Metropole. „Und wenn man in meinem Bereich arbeitet, fragt man sich sofort: Was passiert hier mit den alten Menschen?“

Aktuelle Daten aus dem Sozialpolitischen Bericht der Deutschen Botschaft in Beijing lassen die Herausforderungen erahnen: Die Zahl der älteren Menschen in China wird binnen zehn Jahren von aktuell rund 194 auf 300 Millionen wachsen. In einer Gesellschaft, die sich mitten in einem dramatischen Umbruch befindet. Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen alleine. Senioren auf dem Land wohnen teilweise unter sehr schwierigen Bedingungen ohne fließendes Wasser, Heizung oder Strom.

Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der Ein-Kind-Politik und der massiven Arbeitsmigration vom Land in die Städte, die viele Familien auseinanderreißt. Pflegeheimplätze sind spärlich vorhanden und für die meisten Menschen sowieso unerschwinglich. Rund 300 000 Pflegekräfte stehen über 33 Millionen pflegebedürftige Ältere gegenüber. „Diese Probleme lassen sich nur auf politischer Ebene lösen“, sagt Krumbach.

Politik und natürlich gute Netzwerke, wie im Fall des Sozialunternehmers aus Aachen. Bei seiner dreiwöchigen Reise durch China im Oktober 2014 spielen Mitglieder des Responsible Leaders Netzwerks eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel Clare Pearson, die in China NGOs und Unternehmen in puncto Corporate Social Responsibility berät. Sie nimmt ihn in der erste Woche in Beijing „unter ihre Fittiche“. Durch Pearson gewinnt Krumbach tiefe Einblicke in die chinesische Szene der Nicht-Regierungsorganisationen, aber auch die Entwicklung der Kirchen.

Außerdem lernt er mit Yuxin Hou einen womöglich zukünftigen Partner kennen. Hou ist hervorragend in Politik und Wirtschaft verdrahtet. Als Geschäftsführender Direktor des China Social Impact Investment Fonds plant er die erste große Altenpflegeheim-Kette in China – und will das Konzept der Generationsbrücke von Anfang an in allen Häusern implementieren. Die Kooperation ist bereits per Handschlag beschlossen; denn Hou hat Krumbach schon kurz nach seiner Rückkehr in Aachen besucht.

Mir ist wichtig, das Ganze im chinesischen Kontext zu begreifen.

Horst Krumbach, Generationsbrücke Deutschland

„Mir ist wichtig, das Ganze im chinesischen Kontext zu begreifen“, sagt Krumbach. Die Unterschiede zwischen einem westlichen Industrieland wie Deutschland, wo Individualität oft eine größere Rolle spielt als familiäre Bindung, und dem sehr traditionell geprägten China, sind gewaltig.

Die Partnerschaft in spe kommt zu einem günstigen Zeitpunkt: 2015 haben beide Regierungen zum deutsch-chinesischen Jahr der Innovationspartnerschaft erklärt. Deshalb erhofft sich auch die Deutsche Botschaft in Beijing Input von der Generationsbrücke. Auf Vermittlung von Michael Schaefer, Vorstandsvorsitzender der BMW Stiftung und zuvor Deutscher Botschafter in China, hat Krumbach inzwischen gute Kontakte zur Vertretung der Bundesregierung in der chinesischen Hauptstadt. Dort geht man fest davon aus, dass der demografische Wandel eines der Top-Themen für die chinesische Regierung in den kommenden Jahren ist. Nicht von ungefähr wird sogar die größte englischsprachige Tageszeitung Chinas, China Daily, über die Reise des deutschen Pflegeheimleiters berichten.

Kaum zurück, ist der Kalender von Horst Krumbach also schon wieder gut gefüllt, mit Terminen in Deutschland und bald erneut in China. Der Spagat zwischen West und Ost - der neuen Skalierungsstrategie der Generationsbrücke in Deutschland und dem Transfer einer erfolgreichen sozialen Innovation nach China - scheint für den quirligen Sozialunternehmer kein Problem zu sein. „Das eine zu tun heißt ja nicht, das andere zu lassen.“