Die Kraft Veränderung zu bewirken

Lehren aus dem 5th Global Pro Bono Summit

 

20.03.2017 | Derk Norde | Pro bono und Engagement

Vergangene Woche konnte man in Lissabon eine Gruppe von über 100 Leuten durch die malerischen Gassen und alten Gebäude schlendern sehen. Es handelte sich bei ihnen um Pro-bono-Intermediäre und -Interessenten aus fünf Kontinenten, die anlässlich des 5th Global Pro Bono Summit in der portugiesischen Hauptstadt zusammengekommen waren.

Der Summit ist eine jährliche Veranstaltung des Global Pro Bono Network, das vor fünf Jahren von der BMW Foundation Herbert Quandt, der Taproot Foundation und einer Handvoll Pro-bono-Intermediäre initiiert wurde, die das Potenzial von Pro-bono-Engagement als wirkmächtigem „change agent“ erkannt hatten. Man beschloss sich zusammenzutun, um sich über Best Practices auszutauschen und gemeinsam Wachstum und Wirkung der Pro-bono-Bewegung voranzutreiben.

Mein erster Global Pro Bono Summit

Obwohl es mein erster Summit war und ich in erster Linie gekommen war um zuzuhören und zu lernen, fühlte sich das Ganze sehr vertraut an. Es war aufschlussreich, sich mit Pro-bono-Anhängern aus der ganzen Welt über ihre Erlebnisse und praktischen Erfahrungen auszutauschen, und der Fachidiot in mir freute sich, dass wir alle, egal ob aus Deutschland, Indien oder China, dieselbe Sprache sprachen. So muss man sich auf einer dieser Global Star Trek Conventions fühlen!

Wenn so viele begeisterte Menschen auf einem Fleck sind, entstehen neue berufliche und persönliche Beziehungen, die zweifelsohne über den Summit hinaus Bestand haben werden. Hier sind meine 6 Erkenntnisse aus dem 5th Global Pro Bono Summit:

  • Pro bono als Instrument des Wandels steht noch am Anfang. Bei aller Verschiedenheit verfolgen wir doch dieselbe Mission, inspiriert von der Macht der Veränderung, die wir im Laufe von Pro-bono-Engagements beobachten – sowohl bei den Gebern, die ihre Zeit und ihre Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung stellen, als auch bei den Empfängern. Wir sind überzeugt, dass wir, indem wir die Bewegung skalieren und pro bono noch stärker systemisch in unseren Organisationen verankern, die Gesellschaft zum Besseren verändern können, sei es im Nonprofit-Sektor, in der Wirtschaft oder in der Politik.
  • Gemeinsame Herausforderungen verdienen gemeinsame Lösungen. Viele Pro-bono-Intermediäre sind mit ähnlichen Prozessen und Herausforderungen konfrontiert. Das ist zwar einerseits beruhigend, wirft aber auch die Frage auf, wie man seine Stärken und Ressourcen dort, wo viele dieser Herausforderungen zu konvergenten Lösungen führen, am besten bündeln kann. Das Netzwerk ist dazu da, um Kontakte zu knüpfen, sich gegenseitig zu mobilisieren und tatkräftig unter die Arme zu greifen; ein Austausch über Best Practices kommt letztendlich allen zugute, macht den Pro-bono-Kuchen insgesamt größer und verbessert darüber hinaus die Qualität unserer Dienstleistungen.

  • „Wähle deine Nische.“ Es gibt viele Wege um herauszufinden, welche Sache man unterstützen will, welche Menschen am besten zu welchen Organisationen passen und wie man am besten den Überblick behält. Es gibt keinen allein seligmachenden Weg, sondern es ist wichtig, erst einmal anzufangen und dann fortlaufend Verbesserungen vorzunehmen. Manche Organisationen betreiben hochaktuelle Kampagnen, bei denen sich Stakeholders aus diversen Sektoren zu einem konkreten Thema engagieren (z.B. Jugendarbeitslosigkeit oder die Säuberung der Weltmeere), während sich andere Organisationen über einen längeren Zeitraum auf einen bestimmten Sektor konzentrieren und passgenaue Unterstützung anbieten. Beide Ansätze können gut funktionieren!

  • Effektive Partnerschaften aufzubauen ist nicht leicht. Es gibt alle möglichen Arten von Partnerschaften, und der Begriff wird sehr locker gebraucht. Will man aber das volle Potenzial einer Partnerschaft ausschöpfen, braucht es eine langfristige, gegenseitige Wertschöpfung. Das ist nicht einfach, vor allem dann nicht, wenn der Partner weit weg ist, eine andere (Firmen-)Kultur hat und andere Lösungen für dasselbe Problem verfolgt. Ein Global Summit ist eine großartige Gelegenheit, um einen Blick unter die Oberfläche zu werfen und sich wirklich kennenzulernen. Nimmt man sich die Zeit, die jeweiligen Unterschiede und Ähnlichkeiten genauer auszuloten, gewinnt man echte Einblicke und schafft Möglichkeiten für bessere, dauerhafte Partnerschaften.

  • Netzwerke leben vom Vertrauen. Damit ein Netzwerk optimal funktioniert, müssen die Mitglieder einerseits dazu beitragen, aber auch davon profitieren. Das heißt, man braucht ein Governance-Modell, das optimal auf (demokratische) Teilhabe und Initiative ausgerichtet ist, gegenseitige Kontrolle ermöglicht, aber auch Entscheidungen zulässt. Kollektive Eigenverantwortlichkeit ist schwierig, und der erste Schritt dahin ist Vertrauen und offene Kommunikation unter den Mitgliedern. Als junges globales Netzwerk können wir von anderen erfolgreichen Netzwerken lernen und uns über Online-Collaboration-Tools informieren, die eine effektive Kommunikation ermöglichen, P2P-Modelle zur Entscheidungsfindung anbieten, etc.

  • Das Internet ist für die Pro-bono-Intermediäre des 21. Jahrhunderts unentbehrlich. Indem wir uns über die jüngsten technologischen Entwicklungen auf dem Laufenden halten und über Best Practices austauschen, können wir alle effektiver und in größerem Maßstab agieren. Ein Überblick über bereits bestehende Lösungen, ihre Anpassbarkeit und Verfügbarkeit würde vielen Mitgliedern des Netzwerks dabei helfen, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, wann und wie sie in welche Technologien und Plattformen investieren sollen.