ProjectTogether

Wie man eine Idee ins Rollen bringt

 

22.04.2015 | Philipp von der Wippel | Engagement

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Philipp von der Wippel hat als Schüler ProjectTogether gegründet, eine Anlaufstelle für Menschen, die sich mit eigenen Ideen gesellschaftlich engagieren möchten. 2014 hat die Organisation 120 Projektgründern geholfen, in diesem Jahr soll die Marke von 1000 Projekten geknackt werden. Die BMW Stiftung unterstützt ProjectTogether dabei.

Bei einem Auslandsaufenthalt in England im Jahr 2012 lerne ich meinen syrischen Mitschüler Ebrahim kennen. Er möchte unter englischen Schülern und Studenten ein stärkeres Bewusstsein für die Menschenrechtsverletzungen in Syrien schaffen. Der Bürgerkrieg ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr im Gange. Ebrahim hat noch nie zuvor ein Projekt gestartet und zweifelt daran, seine Idee überhaupt umsetzen zu können. Täglich erinnere ich ihn deshalb im Unterricht, die Idee nicht ruhen zu lassen, sondern weiter zu denken. In unzähligen Gesprächen strukturieren wir unser Vorhaben und motivieren uns gegenseitig immer mehr. Gemeinsam starten wir schließlich die Kampagne „Together We Can – For Syria“.

Auf emotionale Art wollen wir auf das Leid in Syrien aufmerksam machen: Schulversammlungen, Solidaritätsläufe und Live-Übertragungen nach Syrien gehören dazu. Unsere Initiative erlangt in der Region Lancashire schnell Bekanntheit, so wird der Abgeordnete David Morris auf das Projekt aufmerksam. Er stellt unsere Initiative dem House of Commons vor und gewinnt andere Abgeordnete für die Kampagne. Durch den Empfang beim Deutschen Botschafter und die Präsentation einer Petition bei Premierminister Minister David Cameron berichtet nun auch die BBC über unsere Initiative. Diese Dynamik verändert auch Ebrahim. Innerhalb von drei Monaten hat er sich von einem unauffälligen Schüler zur Stimme einer weitverbreiteten Bewegung für Menschenrechte entwickelt, der sein Anliegen bis in die Downing Street 10 trägt. Ebrahim sieht sich nicht mehr als Spielball seiner Umwelt, sondern als aktiver Gestalter. Diese Erfahrung macht es ihm überhaupt erst möglich, Verantwortung zu übernehmen. Das wird mir im Laufe dieses ereignisreichen Schuljahres in England bewusst.

Wie rasant würde sich die Gesellschaft ändern, wenn es mehr Ebrahims gäbe? Zurück in München steht mein Entschluss fest: Ich möchte dafür sorgen, dass mehr Menschen seine Erfahrung machen können und ihre Chance bekommen, die Welt zu verändern. Doch wie geht das? Am besten, indem jeder Mensch eine Anlaufstelle hat, die ihm hilft, seine Anliegen umzusetzen – und zwar ohne bürokratische und strukturelle Hürden: ProjectTogether.

Das Angebot ist kostenfrei und funktioniert ohne offiziellen Bewerbungs- und Auswahlprozess, um die Hemmschwelle niedrig zu halten. Umfang und Inhalt des Projekts spielen keine Rolle – es zählt allein der Wille, etwas aktiv gestalten und verändern zu wollen.

Philipp von der Wippel, ProjectTogether

Vom ersten Impuls bis zu einem konkreten Projekt ist es oft ein weiter Weg. Es gehört Mut dazu, oft auch Erfahrung. ProjectTogether begleitet Ideenträger auf diesem Weg, gibt Hilfestellungen, stellt Kontakte her und macht immer wieder Mut. In einem ersten Schritt formulieren Ideenträger ihr Anliegen online – gezielte Fragen und Informationen führen zu Struktur und ersten konkreten Aufgaben. Coaches mit Projekterfahrung begleiten in einem zweiten Schritt jede Initiative acht Wochen lang telefonisch. Alumni werden nach dem Erfolg ihres Projektes direkt zu neuen Coaches. Das Angebot ist kostenfrei und funktioniert ohne offiziellen Bewerbungs- und Auswahlprozess, um die Hemmschwelle niedrig zu halten. Umfang und Inhalt des Projekts spielen keine Rolle – es zählt allein der Wille, etwas aktiv gestalten und verändern zu wollen.

Und hier liegt auch der Anknüpfungspunkt zur BMW Stiftung: Verantwortungsvoll das eigene Umfeld und die Zukunft zu gestalten, ist eines der Hauptanliegen. Deshalb unterstützt die Organisation mich darin, ProjectTogether deutschlandweit zu skalieren. Im Anschluss an ein viermonatiges Praktikum arbeite ich seit Januar 2015 in der BMW Stiftung mit der Hälfte meiner Zeit für ProjectTogether. Die Infrastruktur, die Expertise und die Kontakte der Kollegen helfen mir, das inzwischen 20-köpfige Team von ProjectTogether zu koordinieren und Kooperationen mit Partnern aufzubauen. Mit besonderem Engagement setzen sich auch zwei Responsible Leaders der BMW Stiftung für mich ein: Nadine Wachter von der Credit Suisse und Boris Palmer, Bürgermeister (Grüne) von Tübingen. Zurzeit führen wir Gespräche mit der Universitätsstadt mit dem Ziel, gemeinsam einen großen Jugendgipfel zu veranstalten.

In der Stiftung helfen mir besonders die kleinen Tipps und die kurzen Gespräche zwischendurch, Entscheidungen zu treffen und den Fokus zu behalten.

Philipp von der Wippel

In der Stiftung helfen mir besonders die kleinen Tipps und die kurzen Gespräche zwischendurch, Entscheidungen zu treffen und den Fokus zu behalten. Ob Brainstorming zu möglichen Wachstumsmöglichkeiten von ProjectTogether mit Senior Managerin Ilsabe von Campenhausen oder Skills für Gesprächsführung in Krisengesprächen mit Projektmanager Sven Stegemann: Die Fähigkeiten und Kenntnisse des Teams der BMW Stiftung ermöglichen es mir, in jeder Situation auf ihre Erfahrungen zurückzugreifen. Andererseits erhalte auch ich Möglichkeiten, mich einzubringen. Zum Beispiel bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Generation Y – Generationenbericht aus Deutschland und den USA“, wo ich als Vertreter dieser Generation über meine Erfahrungen mit ProjectTogether erzähle und dem Streben nach Sinnerfüllung statt bloßem Statusdenken.

Das Responsible-Leaders-Netzwerk mit über 2500 Mitgliedern weltweit birgt in sich eine immense Hebelwirkung. Durch das schnelle Zusammenspiel von Entscheidungsträgern entstehen für mich ganz neue Möglichkeiten – nicht zuletzt im internationalen Kontext. In einer Zeit steigender gesellschaftlicher Anonymität, in der viele Menschen aus Verdruss über politische Entscheidungsträger den Rückzug ins Private antreten, will ProjectTogether Menschen dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv ihre Umwelt mitzugestalten. Je mehr, desto besser. Unsere Strategie: 2015 wollen wir 1000 Initiativen begleiten. Denn eine aktive Zivilgesellschaft ist der erste Schritt hin zur Lösung künftiger Herausforderungen.

Weitere Informationen

Email an PvonderWippel(at)projecttogether.org