Transatlantische Partnerschaft

Vertrauen muss wieder aufgebaut werden

 

30.06.2015 | BMW Stiftung | Europa und seine Nachbarn

Wie können wir verlorenes Vertrauen wieder aufbauen? Deutschland und die USA verbindet eine lange, tiefe Partnerschaft, die jedoch gerade auf eine harte Probe gestellt wird. Darin sind sich die Teilnehmer des Forum Berlin zum Thema „Transatlantische Beziehung – wird die Kluft größer?“ im Berliner Büro der BMW Stiftung einig – darunter auch US-Botschafter John B. Emerson.

 

Ukraine-Krise, Afghanistan-Einsatz, der Kampf gegen den internationalen Terrorismus, Ebola oder der Umgang mit den Folgen des Klimawandels – die Felder, auf denen Deutschland und die Vereinigten Staaten beispielhaft kooperieren, sind vielfältig und von globaler Bedeutung. Trotzdem bestimmen Kontroversen die öffentliche Diskussion: von TTIP, über den NSA-Skandal bis hin zur Dominanz amerikanischer Technologie-Konzerne wie Google oder Facebook. Aus Verbündeten sind scheinbar Entfremdete geworden.

Die Teilnehmer des Forums Europa – unter ihnen  Bundestagsabgeordnete, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, Journalisten und Diplomaten – sind sich einig: Es ist Vertrauen verloren gegangen, das wieder aufgebaut werden muss. Zudem fehlen positiv besetzte Zukunftsprojekte.


Genau deshalb will die BMW Stiftung gemeinsam mit deutschen und amerikanischen Partnern in diesem Sommer einen neuen Prozess etablieren: Die „Transatlantic Core Group“ bringt junge Führungskräfte aus Deutschland und den USA aus allen Sektoren zusammen, um gemeinsam eine Agenda für die deutsch-amerikanische Partnerschaft zu entwickeln – und sie mit Leben zu füllen.

Es geht aber nicht nur darum, neue Projekte zu finden, sondern auch die vorhandenen besser zu verkaufen. Stichwort: TTIP. Das Freihandelsabkommen wird zwar von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel beworben. Dennoch gibt es große Vorbehalte in der Bevölkerung. Doch nicht nur die Forum-Teilnehmer aus der Wirtschaft sind überzeugt, dass dieses Freihandelsabkommen ein wichtiger geopolitischer Hebel für ein offenes und faires Welthandelssystem sein kann.

Gerade in Deutschland scheint – nach Ansicht der meisten Teilnehmer - viel Überzeugungsarbeit nötig zu sein. Wobei Konsens herrscht, dass verlorenes Vertrauen sich auch mit den ambitioniertesten Erklärungsversuchen nicht einfach wiederherstellen lässt. Denn vor allem in der Bevölkerung sitzt das Misstrauen tief. Es geht nicht nur um gemeinsame Interessen, sondern auch um Vertrauen in die gemeinsame Wertebasis.

Michael Schaefer, Vorstandsvorsitzender der BMW Stiftung und ehemaliger Diplomat, ist überzeugt: Den entscheidenden Knacks haben die transatlantischen Beziehungen unmittelbar nach der Entscheidung der USA zur Irak-Invasion 2003 bekommen. „Als wir von der UN-Versammlung aus New York wiederkamen, konnte man das mit Händen greifen. Guantanamo und Abu Ghraib haben das verstärkt.“

Auch wenn die offiziellen Beziehungen zwischen Washington und Berlin derzeit wieder auf hohem Niveau funktionieren, hätten die transatlantischen Beziehungen Schlagseite wie selten, so Schaefer. Gekriselt hat es schon immer, sind sich viele Teilnehmer einig. Entscheidend ist jedoch, wie man mit der Krise umgeht. Hier seien vor allem politische Entscheidungsträger, Wirtschaft und Medien gefragt, sind sich die Teilnehmer der Forums einig. Sie müssten erklären, warum das transatlantische Verhältnis unverändert wichtig für Frieden, Prosperität und Sicherheit in Europa ist.

Text: Maja Heinrich